Dies ist der Leser-Beitrag vom 22.10.2009 von Christopher Weck:

Sophie ist 14 Jahre alt und geht in die 9. Klasse eines Gymnasiums in Berlin.

Nun sitzt sie zu Hause am Tisch und isst zusammen mit ihrer Mutter und ihrem kleineren Bruder Jonas zu Mittag. Irgendwie fühlt sie sich schon seit einiger Zeit unwohl. Sie denkt seit dieser Zeit über die großen Fragen des Lebens nach und irgendwie findet sie keine Antwort.

Ihre Mutter fragt sie: "Was ist los Sophie, du siehst so in dich gekehrt aus."

Sie antwortet: "Ich weiß nicht genau, ich frage mich, ob das, was ich so mache, einen höheren Sinn hat. Es ist irgendwie immer das gleiche: Zur Schule gehen, Mittagessen, Hausaufgaben, dann treffe ich mich entweder mit Andrea, gehe zum Tennis oder schaue fern. Dann frage ich mich, ob ich dafür geboren wurde; und wer bin ich überhaupt? Wo ist aber mein Platz im Universum, in so großen Dimensionen scheint mein Leben so sinnlos zu sein."

"Sophie, nun werde nicht albern, entgegnet ihre Mutter. Du bist meine Sophie, wer denn sonst. Ja ich weiß Mama, aber das ist doch nicht der Grund weswegen ich lebe."

"Da hast du Recht, Sophie, dein Vater hat ebenfalls etwas dazu beigetragen, dass du lebst." Ein leichtes Lächeln huscht ihrer Mutter über das Gesicht. Jonas, der sich bisher in sein Essen vertieft hatte, kam nun auch zu Wort und fragt: "Und warum lebe ich Mama?"

"Aus genau dem selben Grund!" Einen Moment schaut Jonas seine Mutter schräg an, scheint dann aber entschieden zu haben, dass diese Antwort ihm reicht, bzw, es sich nicht lohnen würde, für eine genauere Erläuterung seine Nudeln kalt werden zu lassen.

Sophie lässt es für heute ebenfalls auf sich beruhen, nimmt sich jedoch vor, mit Ihrer Freundin Lena einmal den Jugendtreff der Kirche zu besuchen, in die auch Lenas Eltern jeden Sonntag gehen. Lena hatte sie schon mehrmals gefragt, ob sie mitkommen wolle, doch bisher hatte Sophie nie recht Lust gehabt. Sie hatte schon einiges von Gott gehört, aber auch von anderen Religionen. Wieso sollte es gerade diesen Gott geben und die anderen nicht?

Es ist Dienstag Abend und Sophie kommt gerade von dem Jugendtreff aus der Kirche zurück. Zuhause denkt sie noch einmal über das nach, was sie dort gehört hatte. Angeblich soll Gott sie genau so gemacht haben wie sie ist. Es war einzig und allein sein Plan, sie auf diese Welt zu bringen und er hat auch noch einiges vor mit ihr. Das hörte sich alles sehr schön und viel versprechend an und wenn man am Ende ein richtiger Christ ist, dann darf man auch zusammen mit Gott in seinem Paradies leben, wo es kein Leid, sondern nur Glück und Harmonie gibt. Zum Schluss wurden noch einige Lieder gesungen, in denen der Herr für seine wundervolle Schöpfung gepreist wurde und ihm für alles was wir haben gedankt wurde. Während sie die Lieder gesungen haben, dachte Sophie an die armen Menschen in Afrika, die diese Lieder bestimmt nicht mitsingen könnten und an die Kriege und Gewalt auf dieser Welt.

War es das, wofür wir Gott preisen? Wenn es einen allmächtigen Gott gibt, sollte dann nicht jeder einzelne Mensch diese Lieder mitsingen können? Wenn sie Gott dafür dankt, dass sie gesund ist und Gott sie perfekt gemacht hat, was sollen denn kranke und behinderte Menschen denken?

Am nächsten Tag steht Sophie früh auf, weil sie um 7:30 Uhr in der Schule sein muss. Sie hat in den ersten beiden Stunden Biologie. Eigentlich hasst sie das Fach, aber heute wollen sie über die Evolution sprechen.

Als die Schule zu Ende ist, geht Sophie allein nach Hause, ihre Mutter und Jonas sitzen bereits am Mittagstisch. Sophie fängt an, von der Biologiestunde zu erzählen: "Unser Biologielehrer hat uns heute erzählt, dass wir alle uns über Jahrmillionen von winzigen Mikroorganismen über Fische und affenähnlichen Tieren hin zu dem entwickelt haben, was wir nun sind. Immer wenn eine Veränderung einen Vorteil für die Art brachte, hat sich diese Veränderung durchgesetzt. So haben sich mit der Zeit die Vorfahren des Menschen immer weiter verändert. Ich war gestern auch in dem christlichen Jugendtreff und dort wurde mir gesagt, dass Gott den Menschen geschaffen hat, jetzt höre ich, dass der Mensch eigentlich nicht viel mehr ist als ein Tier, es jedenfalls keine klare Grenze gibt, weil der Mensch sich aus dem Tier entwickelt hat. Irgendwie kommt mir alles komisch vor."

"Ach Sophie entgegnete ihre Mutter, du machst dir zu viele Gedanken. Letztendlich wirst du wahrscheinlich nie erfahren, was der Sinn hinter allem ist. Somit steck dir doch deine eigenen Grenzen und frage nicht nach einem universellen Sinn, sondern schau nach dem Sinn in deinem eigenen Leben. So können doch schon Kleinigkeiten, mit denen du anderen eine Freude machst, dir persönlich einen Sinn geben, auch wenn es für die Menschheit unbedeutend ist. Gib deinem Leben selber einen Sinn, dazu kann ein Beruf der einen erfüllt gehören genauso wie die Familie. Setzt den Maßstab nicht so hoch an, sondern sei einfach meine Sophie. Zu dem Sinn meines Lebens gehörst nämlich auch du!"

 

Christopher Weck

 

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